Pressemitteilung,

Dr. Florian Keisinger
Hauptgeschäftsführer
Tel. +49 40 88 365 78 70
florian.keisinger@zds-seehaefen.de
Hamburg/Berlin – Die heute veröffentlichte Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr zeigt ein differenziertes Bild für den Seeverkehr: Kurzfristig bremsen geopolitische Spannungen die Entwicklung deutlich, mittelfristig wird jedoch wieder mit einer Belebung gerechnet.
Aktuell wirkt sich insbesondere der Krieg im Iran auf die internationalen Seehandelsrouten aus. Die Blockade der Straße von Hormus sowie die unsichere Lage im Roten Meer führen dazu, dass viele Schiffe den Suez-Kanal meiden und längere Routen über das Kap der Guten Hoffnung wählen. Dies belastet den Welthandel und dämpft die Entwicklung des Seeverkehrs spürbar.
Für das Jahr 2026 wird daher trotz grundsätzlich positiver außenwirtschaftlicher Impulse lediglich ein leichtes Wachstum des Gesamtumschlags von rund 0,5 Prozent erwartet. Während insbesondere der Containerverkehr sowie Segmente wie Maschinen, langlebige Konsumgüter und Sekundärrohstoffe zulegen dürften, wirken rückläufige Entwicklungen bei Rohöl sowie strukturelle Rückgänge im Kohlesektor bremsend.
Mittelfristig hellt sich das Bild jedoch auf: Für die Jahre 2027 bis 2029 wird wieder eine höhere Dynamik im Außenhandel erwartet. Insbesondere der Containerverkehr dürfte davon profitieren. Insgesamt wird ein durchschnittliches Wachstum des Seeverkehrs von rund 1,6 Prozent pro Jahr prognostiziert. Damit könnte das Vorkrisenniveau von 2019 bis zum Jahr 2029 wieder erreicht werden.
Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) sieht sich durch die Prognose in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit der maritimen Infrastruktur zunehmend unter Druck geraten.
„Die aktuellen Entwicklungen zeigen sehr deutlich, wie anfällig globale Lieferketten für geopolitische Schocks sind“, erklärt ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger. „Wenn zentrale Handelsrouten ausfallen oder umfahren werden müssen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf Kosten, Laufzeiten und letztlich auf die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts.“
Gleichzeitig unterstreiche die Prognose die langfristige Bedeutung der Seehäfen für die deutsche Volkswirtschaft:
„Trotz aller aktuellen Verwerfungen bleibt der Seeverkehr ein Wachstumstreiber. Das Wiedererreichen des Vorkrisenniveaus bis 2029 zeigt: Die Nachfrage nach leistungsfähigen Häfen wird weiter steigen. Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Weichen zu stellen: mit gezielten Investitionen in Infrastruktur, Resilienz und Hinterlandanbindungen“, so Keisinger weiter.
Der ZDS fordert vor diesem Hintergrund einen strukturellen Ausbau der Hafenfinanzierung sowie eine stärkere Beteiligung des Bundes an Investitionen in Infrastruktur von gesamtstaatlicher Bedeutung. Nur so könne Deutschland seine Rolle als führender Logistik- und Industriestandort langfristig sichern.









