NMK: Bund und Länder müssen Seehafenfinanzierung neu aufstellen

  • Bund muss strategische gesamtstaatliche Bedeutung der Häfen anerkennen
  • Gezielte Projektfinanzierung kann Sanierungsstau auflösen
  • Parallel dazu ist grundlegende Strukturreform für langfristige Hafenfinanzierung nötig / NMK muss Auftakt für Bund-Länder-Debatte dazu sein

Hamburg/Emden – Im Vorfeld der Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) in Emden fordert der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ein klares politisches Signal: Der Bund muss sich dauerhaft und strukturell an der Finanzierung der Seehafeninfrastruktur beteiligen.

„Die deutschen Seehäfen sind die logistischen Lebensadern unserer Industrie – und zugleich ein zentraler Baustein für Energieversorgung und Sicherheit. Diese nationale Bedeutung muss sich endlich auch in der Finanzierung widerspiegeln“, betont Florian Keisinger, Hauptgeschäftsführer des ZDS.

Rund 60 Prozent aller deutschen Im- und Exporte werden über den Seeweg abgewickelt. Gleichzeitig haben die Häfen in den vergangenen Jahren ihre strategische Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt: Nach dem Wegfall des Russlandgeschäfts erschlossen sie neue Geschäftsfelder – vom Import erneuerbarer Energieträger bis hin zur Rolle als Drehscheiben für militärische Logistik. Klar ist: Ohne leistungsfähige Seehäfen gibt es weder globalen Handel noch eine erfolgreiche Energie- und sicherheitspolitische Zeitenwende.

Strukturelle Finanzierungslücke schließen

Mit diesen Anforderungen ist das bestehende Finanzierungsmodell nicht mehr vereinbar. Der Modernisierungsbedarf in der öffentlichen Hafeninfrastruktur beträgt rund 15 Milliarden Euro – ein aufgelaufener Investitionsstau über Jahrzehnte.

Kurzfristig kann dieser Rückstand durch gezielte Projektfinanzierungen – etwa aus dem Infrastruktur-Sondervermögen oder dem Verteidigungsetat – reduziert werden. Das Beispiel der 1,35 Milliarden Euro für Bremerhaven zeigt: Wenn der politische Wille da ist, sind Lösungen möglich.

Langfristig braucht es jedoch einen strukturellen Neustart. Zwar liegt die Zuständigkeit für die Seehäfen formal bei den Bundesländern, ihre wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bedeutung ist jedoch national. Andere europäische Länder wie die Niederlande, Belgien oder Polen handeln entsprechend. Deutschland darf hier nicht weiter ins Hintertreffen geraten.

„Wir brauchen eine verlässliche Grundfinanzierung, die der nationalen Rolle der Seehäfen gerecht wird – gemeinsam getragen von Bund und Ländern“, sagt Keisinger. Dafür sind dauerhaft rund 500 Millionen Euro jährlich erforderlich, um Infrastruktur zu erhalten, zu modernisieren und auszubauen.

NMK muss Auftakt für Reformprozess sein

Die Hafenwirtschaft erwartet von der NMK konkrete finanzielle, regulatorische und strategische Weichenstellungen zur Stärkung der Seehäfen als kritische Infrastruktur. Keisinger macht deutlich: „Wir erhoffen uns von der Nationalen Maritimen Konferenz, dass sie den Startschuss abgibt für eine Bund-Länder-Debatte über eine dringend nötige und grundlegende Strukturreform in der Hafenfinanzierung.“

Hinweis für Redaktionen:

Der Präsident des ZDS, Prof. Sebastian Jürgens, und Hauptgeschäftsführer, Florian Keisinger, sind bei der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden vor Ort und stehen dort für Statements zur Verfügung. Bei Interesse an einem Gespräch wenden Sie sich bitte an Lennart Albrecht unter: 0172 614 236 1

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