Pressemitteilung,
Im Vorfeld der Landtagswahlen im September lohnt ein Blick auf einen Ort, der wie kaum ein anderer für Freiheit, Weltoffenheit und internationale Zusammenarbeit steht: den Seehafen!
Von Florian Keisinger und Laura Pooth
Es gibt kaum einen Ort, der die Idee einer offenen Gesellschaft so sichtbar verkörpert wie ein Seehafen. Hier treffen Menschen, Waren und Ideen aus aller Welt aufeinander. Schiffe bringen Rohstoffe, Lebensmittel und Energie nach Deutschland und transportieren Produkte, Innovationen und Technologien in die Welt. Rund 90 Prozent des Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt. Seehäfen leben deshalb von Offenheit: wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Ohne freien Handel, internationale Zusammenarbeit und den grenzüberschreitenden Austausch gäbe es sie in ihrer heutigen Form nicht.
Deshalb sind Seehäfen weit mehr als Infrastruktur. Sie sind auch Ausdruck einer Haltung: der Überzeugung, dass Wohlstand durch Zusammenarbeit entsteht, dass Vielfalt eine Stärke ist und dass Fortschritt Offenheit voraussetzt. Häfen verbinden Regionen mit der Welt. Sie sind Tore nach außen und damit seit Jahrhunderten auch Orte der Begegnung, der Neugier und des Aufbruchs.
Für Generationen von Menschen waren Seehäfen Freiheits- und Sehnsuchtsorte. Von hier brachen Entdecker und Auswanderer in unbekannte Welten auf. Unternehmen fanden über die Häfen neue Märkte und trugen ihre Ideen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Millionen Reisende verbanden mit ihnen die Hoffnung auf einen Neuanfang oder die Freude auf ferne Horizonte. Für die vielen Beschäftigten in den Häfen und auf den Schiffen sind sie bis heute Orte guter Arbeit, internationaler Kooperation und gelebter Solidarität.
Diese Offenheit ist jedoch kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen. Wer den freien Austausch von Menschen, Waren und Ideen ermöglicht, schafft die Grundlage für leistungsfähige Seehäfen. Wer Grenzen schließt, internationale Kooperation infrage stellt oder wirtschaftliche Abschottung propagiert, greift damit die Voraussetzungen an, auf denen Häfen seit Jahrhunderten beruhen.
Dabei geht es nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie eng Freiheit und Sicherheit miteinander verbunden sind. Ob Pandemie, Energiekrise oder der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine: Immer wieder wurde deutlich, welche zentrale Rolle die Seehäfen für die Versorgung unseres Landes spielen. Über sie gelangen Energie, Lebensmittel, Medikamente, industrielle Vorprodukte und viele weitere lebenswichtige Güter nach Deutschland. Gleichzeitig sind sie unverzichtbarer Bestandteil der militärischen Infrastruktur Europas und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit und Resilienz unseres Landes.
Gerade weil Häfen diese Schlüsselrolle einnehmen, auch das zeigt die Historie eindrucksvoll, geraten sie in Krisen- und Kriegszeiten regelmäßig ins Visier. Sie gehören seit jeher zu den ersten strategischen Angriffszielen. Wer einen Hafen lahmlegt, unterbricht Lieferketten, gefährdet die Energieversorgung, schwächt die Wirtschaft und trifft eine Gesellschaft an ihrer empfindlichsten Stelle. Angriffe auf Häfen sind deshalb immer auch Angriffe auf Freiheit und Wohlstand.
Während der nationalsozialistischen Diktatur verkehrte sich die Bedeutung des sprichwörtlich „rettenden Hafens“ ins Gegenteil. Aus Orten des Aufbruchs wurden für viele Menschen lebensbedrohliche Sackgassen. Wer vor Verfolgung und Terror fliehen wollte, fand oftmals keinen Ausweg mehr; Häfen, die einst für Freiheit standen, wurden so zur tödlichen Falle.
Wie kaum ein anderer Ort hängen Seehäfen von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Wo Freiheit herrscht, können Häfen ihre verbindende Kraft entfalten. Wo Nationalismus, Abschottung und Ausgrenzung dominieren, verlieren sie ihre eigentliche Funktion. Der Versuch, sich von der Welt abzuschotten, hat historisch nie zu mehr Sicherheit oder Wohlstand geführt. Im Gegenteil: Gesellschaften, die sich verschließen, verlieren wirtschaftliche Dynamik, Innovationskraft und internationale Handlungsfähigkeit.
Für Hafenwirtschaft und Beschäftigte ist deshalb klar: Die Zukunft der deutschen Seehäfen entscheidet sich nicht allein an Kaikanten, Containerbrücken oder Fahrrinnen. Sie entscheidet sich auch an unseren Grundwerten: Weltoffenheit, Rechtsstaatlichkeit, internationale Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen, sind keine abstrakten Ideale. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Häfen auch künftig das leisten können, was sie seit Jahrhunderten leisten: Menschen verbinden, Wohlstand schaffen und Freiheit ermöglichen.
Die bevorstehenden Landtagswahlen sind deshalb mehr als regionale Richtungsentscheidungen, auch deshalb, weil die politische Zuständigkeit für die Seehäfen bei den Landesregierungen liegt. Wer die Zukunft der Seehäfen und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit und unseren Wohlstand sichern will, muss die Werte stärken, auf denen ihre Erfolgsgeschichte beruht. Denn starke Häfen brauchen eine offene Gesellschaft, und eine offene Gesellschaft braucht starke Häfen.
Florian Keisinger ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS).
Laura Poth ist Vorsitzende des DGB Nord.








